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„Kann mir eine weitere Zusammenarbeit mit Rob Daum gut vorstellen!“

Interview mit VSV-Sportvorstand Gerald Rauchenwald

Im zweiten Teil unserer Interviewserie haben wir mit VSV-Sportvorstand Gerald Rauchenwald gesprochen. Er berichtet uns vom aktuellen Liga-Agreement, wonach während der Corona-Krise vorerst die Vertragsverhandlungen auf Eis gelegt sind, gibt uns spannende Einblicke in das Legionärs-Scouting und erzählt uns, in welchen Bereichen man sich noch weiter steigern muss.

Die Corona-Krise sorgt derzeit für Stillstand. Auch im Sport. Wie hast Du die vergangenen Wochen verbracht?
Rauchenwald: Die vergangenen Tage und Wochen standen natürlich ganz im Zeichen der Corona-Krise. Es ist praktisch Stillstand in allen Bereichen eingetreten. Auch bei unseren Vertragsverhandlungen. Die freie Zeit habe ich persönlich genutzt, um viel Sport zu betreiben. 

Wie wird die aktuelle globale Krise den Eishockeysport in Österreich verändern?
Rauchenwald: Wenn die Krise noch länger anhält, wird es massive Veränderungen im österreichischen Eishockey geben müssen. Wir sind ja bekanntlich eine der wenigen Ligen, die grenzüberschreitend ausgetragen werden. Wenn es da Einreiseverbote oder Quarantäne-Maßnahmen geben sollte, wird man sich echte Alternativen überlegen müssen. 

„Mit Rob Daum ist noch nichts unterschrieben. Wenn wir uns aber mit ihm einigen können, kann ich mir eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen!“

Lass uns einen kurzen Blick zurück auf die abgelaufene Saison werfen. Wie zufrieden warst Du mit den gezeigten Leistungen des Teams? 
Rauchenwald: Die Bilanz ist sehr zufriedenstellend. Wir haben aus den vorhandenen finanziellen  Mitteln sicherlich das Maximum herausgeholt. Es ist uns auch eine echte Trendwende gelungen, die Fans sind wieder mit Begeisterung in die Halle gekommen und waren auch mit den gezeigten Leistungen sichtlich zufrieden. Besonders der Start war richtig gut, während der Saison haben wir dann zwar eine Schwächephase durchlebt, sind aber am Ende wieder richtig gut in Fahrt gekommen. Schade, dass die Liga vorzeitig abgebrochen werden musste.

In welchen Bereichen muss man sich noch weiter steigern? 
Rauchenwald: Stärker werden kann man nur, wenn man noch härter arbeitet und natürlich mit klugem und erfolgreichem Scouting – das heißt, Spieler mit noch höherer Qualität zu verpflichten. Das ist uns in der vergangenen Saison ganz gut gelungen. Mit ein, zwei Legionären war ich  jedoch nicht ganz zufrieden. Da werden wir ansetzen.

Dafür benötigt man auch einen Top-Trainer – Rob Daum hat das Team ja bekanntlich gegen Ende der Meisterschaft übernommen. Wird er auch im kommenden Jahr hinter der Bande des VSV stehen, gibt es da schon eine Entscheidung?
Rauchenwald: Das ist derzeit noch offen. Aber es ist kein Geheimnis, dass wir mit ihm sehr zufrieden waren. Es ist noch Nichts unterschrieben. Wenn wir uns mit ihm einigen können, kann ich mir eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen!

Aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten setzen wir auf Spieler, die in den USA oder Kanada noch wenig bekannt sind. Darin liegt auch der Fokus unseres Scoutings. Nämlich jene Legionäre zu finden, die hohes Potential haben, aber in Europa noch wenig bekannt sind. Nur dann sind sie für uns auch leistbar.“

Was bevorzugst Du – Peitschenknaller oder Taktikfuchs?
Rauchenwald: Beides, eine Mischung aus Beidem führt zum Erfolg!

Ganz wichtig für den Erfolg ist ein konkurrenzfähiger Kader: Für die kommende Saison haben nur Jamie Fraser, Jerry Pollastrone, Patrick Bjorkstrand, Felix Maxa, Kevin Schmidt und Martin Ulmer laufende Verträge. Wie weit ist man in der Kaderplanung?
Rauchenwald:Vorweg ist festzuhalten, dass es in der Liga unter den Vereinen ein Agreement gibt, wonach während der Corona-Krise bis auf Weiteres keine Spieler unter Vertrag genommen werden dürfen. Daran halten wir uns natürlich. Faktum ist aber auch, dass wir für die kommende Saison zwei, drei junge Österreicher in den Kader holen möchten. Wir wissen ganz genau, auf welchen Positionen wir uns gegenüber dem Vorjahr verstärken müssen. Auch bei den Legionären hatten wir bis zum Ausbruch der Krise bereits interessante und vielversprechende Kontakte in Übersee. All dies steht jetzt einmal in der Warteschleife.

Welche Spielertypen stehen ganz besonders im Visier des Sportvorstandes?
Rauchenwald: Wir suchen auf jeden Fall einen richtig starken Spieler für die erste Linie, wenn möglich einen Mittelstürmer. Darüber hinaus brauchen wir auch einen Top-Center für die zweite Linie. Neben eisläuferischer Stärke sollen die Neuen auch Spielmacher-Qualitäten mit entsprechendem Torinstinkt mitbringen. Außerdem müssen wir die Torhüterposition neu besetzen, da uns Goalie Brandon Maxwell wohl in Richtung DEL verlassen wird.

Der Fokus bei der Legionärs-Suche liegt also eher auf Nordamerika, oder?
Rauchenwald: Aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten setzen wir auf Spieler, die in den USA oder Kanada noch wenig bekannt sind. Darin liegt auch der Fokus unseres Scoutings. Nämlich jene Spieler zu finden, die hohes Potential haben, aber in Europa weitestgehend unbekannt sind. Nur dann sind sie für uns auch leistbar.

Wie läuft das Spieler-Scouting generell ab, was sind die Herausforderungen bei der Legionärs-Suche?
Rauchenwald:Wir müssen uns natürlich an den vorgegebenen finanziellen Rahmen halten. Federführend ist dabei Gerhard Unterluggauer, der ausgezeichnete Arbeit leistet und hervorragende Kontakte zu sehr vielen Managern, Spielervertretern und Trainern hat. Er trifft eine Vorauswahl. Danach wird gemeinsam in vielen, vielen Videos, Telefonaten oder auch – wenn möglich – persönlichen Beobachtungen die in Frage kommenden Spieler analysiert und über eine Verpflichtung entschieden. In diesem Bereich sind wir österreichweit absolut Top aufgestellt!

Die absoluten Top-Österreicher in der Liga können wir uns nicht leisten. Deshalb versuchen wir,  eher jüngere Österreicher zu uns zu holen. Wir können nicht mit Geld glänzen aber mit entsprechender Eiszeit, die wir zur Verfügung stellen können.“ 

Thema: Österreichische Spieler – nach dem Abgang von Bernd Wolf in die Schweiz entsteht eine Lücke in der Verteidigung. Wie wird man diese schließen, und wie sieht es ganz allgemein mit einheimischen Spielern am Markt aus?
Rauchenwald:Es gibt in unserer Liga bei den Österreichern so 8 bis 10 Premium-Spieler, die allerdings bei den finanzstarken Klubs wie Salzburg, KAC, Wien oder Linz unter Vertrag stehen. Diese sind außerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten. Wir versuchen eher jüngere Österreicher zu uns zu holen. Wir können nicht mit Geld glänzen aber mit entsprechender Eiszeit, die wir zur Verfügung stellen können. 

Welche Ziele setzt sich der Sportvorstand mit dem EC VSV in der kommenden Saison 2020/21?
Rauchenwald:Unser erstes Ziel ist natürlich wieder das Erreichen der Play-offs. Wir wollen aber den nächsten Schritt setzen und für die Gegner noch gefährlicher und unangenehmer werden. Jedes Spiel wird wie ein Play-off-Match zu spielen sein.

Wann ist Trainingsstart?
Rauchenwald: Die einzelnen Spieler haben von unserem Fitness-Coach Niki Petrik persönliche Trainingspläne bekommen und trainieren derzeit aufgrund der Corona-Ausgangsbeschränkungen zu Hause.

Fotos: René Krammer

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